Werkarchiv
Architektin ETH SIA · *1951
Ursula Willenegger-Röthenmund kam am 27. März 1951 als Tochter von Heidi und Christian Röthenmund zur Welt, jüngere Schwester der Zwillinge Christian und Hans. Ihre Kindheit verbrachte sie in Münchenstein; Anfang der 1960er-Jahre zog die Familie nach Füllinsdorf, wo sie die Primarschule besuchte, ehe sie in Liestal das Gymnasium absolvierte.
Das Bauen war der Familie eingeschrieben. Ihr Vater, Christian Röthenmund, war Bauingenieur, und er förderte das Talent seiner Tochter ebenso wie ihren Wunsch, an der ETH Architektur zu studieren; ihre Brüder schlugen verwandte Wege als Bauingenieur und technischer Zeichner ein. 1971 begann Ursula ihr Studium in Zürich. Sie lebte in Wohngemeinschaften — in einer davon mit Helen den Hartog, die sie im Studium kennenlernte. Bereits 1973, im fünften Semester, verfassten die beiden ihre erste gemeinsame Semesterarbeit: der Beginn einer Partnerschaft, die ein ganzes Berufsleben tragen sollte. 1976 diplomierte Ursula Willenegger an der ETH Zürich bei Prof. Dolf Schnebli.
In den folgenden Jahren sammelte sie Erfahrung in mehreren Büros in Zürich, Bern und Basel — unter anderem bei Dolf Schnebli, bei Andrea Roost in Bern und bei Burckhardt und Partner in Basel — und nahm erste eigene Arbeiten in Angriff.
Schon früh nach dem Studium engagierte sie sich zudem in der Gruppe DIANE-Öko-Bau — benannt nach dem Förderprogramm DIANE («Durchbruch innovativer Anwendungen neuer Energietechniken»), das einen neuen Baustandard mit niedrigem Energiebedarf und ökologischer Bauweise durchsetzen wollte. Das ökologische Bauen, das ihr Werk später prägen sollte, war ihr damit von Anfang an ein Anliegen.


1980 heiratete sie den Ökonomen Andreas Willenegger. Im selben Jahr kam die erste Tochter, Lisa, zur Welt; es folgten Alice, Moritz und Eva. 1984 entwarf und baute Ursula Willenegger das Familienhaus an der Bleumattstrasse 7 in Gipf-Oberfrick — Wohnort der sechsköpfigen Familie, bis die Kinder für ihre Ausbildung auszogen. Alle vier legten die Matura am Gymnasium Leonhard in Basel ab und studierten später in Basel, Bern, Zürich und Lausanne.
Anfangs arbeitete sie als selbständige Architektin im Dachgeschoss des Hauses. 1996 errichteten Andreas und Ursula Willenegger auf demselben Grundstück ein Bürogebäude in vorfabriziertem Holzbau — von da an gingen beide dort ihrer Arbeit nach, stets mit einem Auge auf die heranwachsenden Kinder. Das Büro wurde zum Ort, an dem auch Maturaarbeiten entstanden und Prüfungen vorbereitet wurden; zugleich bildete es Lernende zu Zeichnerinnen und Zeichnern EFZ aus.
Dass Ursula Willenegger Beruf, Selbständigkeit und Mutterschaft verbinden konnte, verdankte sich auch passender Strukturen — der Architektur des Hauses mit angrenzendem Büro ebenso wie einer für die 1980er- und 1990er-Jahre modernen Rollenteilung. Andreas Willenegger, damals Ökonom am Gottlieb Duttweiler Institut, arbeitete in einem 80-Prozent-Pensum, was zu jener Zeit noch als aussergewöhnlich galt; ab 1990 machte er sich selbständig, was Familie und Beruf zusätzliche Flexibilität gab.






Mit Helen den Hartog führte Ursula Willenegger das Büro Willenegger und den Hartog (WDH) in Gipf-Oberfrick. Zusammen bildeten sie ein eingespieltes Team für anspruchsvolle Aufgaben — Wettbewerbe wurden gewonnen oder verloren, Projekte entworfen und gebaut. Ihr Werk reicht von Neubauten über den Umbau denkmalgeschützter Häuser bis zu Schulanlagen und Wohnsiedlungen und trägt eine klare Haltung: das behutsame Einfügen in Ort und Landschaft statt der grossen Geste, ökologisches Bauen mit Holz und Sonne, durchlässige Grundrisse, in denen die Küche nicht abgetrennt, sondern Teil des gemeinsamen Lebens ist.
1994 erhielt das Wohnhaus am Wilerweg 37 in Murten — gebaut für die Bauherrschaft Röthenmund-Kirchhofer — den Schweizerischen Solarpreis, überreicht von Bundesrätin Ruth Dreifuss; unter den Gratulanten stand auch Christian Röthenmund, Ursulas Vater und Bauherr des Mehrfamilienhauses in Murten. Die Treppenhausfassade des Hauses war zugleich Sonnenkollektor und deckte einen erheblichen Teil des Warmwasserbedarfs — Technik, die nicht aufgesetzt wirkte, sondern architektonisch aufging.
Ende der 1990er-Jahre entstand in Sissach die Siedlung «Zytglogge», ein aus einem Wettbewerb hervorgegangenes Projekt unter dem Motto «Mir wei luege». Getragen von der Emma-Sonntag-Buser-Stiftung, verband sie bezahlbare Alterswohnungen mit Einfamilienhäusern zu einem Ort, an dem Jung und Alt bewusst zusammenleben — mit geschwungenen Dächern, unbehandeltem Lärchenholz und begrünten Flächen. 1997 gewann WDH den Wettbewerb, 2003 folgte die Wohnsiedlung Horburghof in Basel in Zusammenarbeit mit Bjarki Zophoniasson.
Über die Jahre nahmen Andreas und Ursula Willenegger zudem als Bauherren eigene Projekte in Angriff und schufen — etwa in Gipf-Oberfrick und Rheinfelden — eigenständigen Wohnraum, in dem sich Soziales und Natur, Ökologie und Ökonomie verbinden. So entstand ein umfassendes Werk nachhaltiger und unverwechselbarer Architektur.

